Annas Herz schlägt für Crivitz

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Die Tür geht auf und ein freundliches Lächeln begrüßt mich: „Hallo, komm‘ doch rein!“ sagt Anna. Sie führt mich in einen sehr großen, lichtdurchfluteten Raum. Mein begeistertes Staunen kommentiert sie mit einem fröhlichen „Ich brauche Raum zum Denken“. Was für spannende Ideen dabei herauskommen und warum sie so gern in Crivitz lebt, darüber werde ich nun mehr erfahren.

Selber machen ist die Devise

Sofort sprudelt es aus ihr heraus, was als nächstes ansteht. Ein Freizeitprojekt für die Jugendlichen in Crivitz will sie gemeinsam mit anderen Engagierten anschieben. Und dann ist da auch noch die Idee eines kleinen Cafés. Und die Vorbereitung für ihren beliebten Adventskalender, für den es allerhand kleinteilige Informationen aus der Region zusammenzutragen gilt.
Viele würden es wahrscheinlich innere Unruhe oder stressig nennen, sich immer etwas Neues auszudenken. Während Anna von ihren vielen Projekten erzählt, bekomme ich das Gefühl, dass es eher ein unermüdlicher Antrieb ist, etwas in ihrer geliebten Heimatregion zu bewegen. Und das schon von Jugendalter an. Mit 13 gründete sie eine eigene Mädchen-Jugendgruppe in der Kirchengemeinde, mit 15 leitete sie den Crivitzer Jugendchor beim Kirchenprojekt TEN SING.

Wenn ihr auffällt, dass es etwas in Crivitz noch nicht gibt, dann legt Anna los. Sie wartet nicht darauf, dass irgendjemand eventuell vielleicht mal etwas angeht, sondern krempelt selbst die Ärmel hoch. Umso schöner findet sie es dann aber auch, wenn sich andere mitreißen lassen. „Es ist so schön zu sehen, wenn aus kleinen Sachen etwas Großes wird und die Menschen begeistert“, schwärmt sie.

 

Annas Herz schlägt für Crivitz

Ich stehe mit Anna auf der Terrasse ihres Spielzeuggeschäfts mit Handyecke und merke schnell: nicht nur „Annas Laden“, eigentlich ist sie selbst eine Institution in Crivitz. Es geht niemand vorbei, bei dem ihr nicht ein Lächeln und Hallo über die Lippen geht. Ihr Geschäft ist ein Treffpunkt im Ort, für Einheimische und Touristen. Dazu trägt sicher auch der „Schaukasten für Crivitz und Umgebung“ bei. Eigentlich müsste es „Schauwand“ heißen, denn hier werden auf großer Fläche die nächsten Flohmärkte oder Frühlingsfeste, Vereinsfeiern oder Musikveranstaltungen angekündigt. Im Hosentaschenformat sind all diese Informationen auf der entsprechenden Facebookseite zu finden. So etwas gab es vorher nicht. „Wir haben hier so viele tolle Veranstaltungen und Initiativen. Ob eine Radsternfahrt durch die Lewitz, Dart-Turniere, eine Diskussionsrunde mit den Landratskandidaten, Ausstellungen, Konzerte, Drachenbootrennen… man kann jedes Wochenende etwas unternehmen. Aber viel zu oft weiß einer vom anderen nichts. Das wollte ich ändern.“ Gesagt, getan.

Auch abseits von Veranstaltungen gibt es viel zu entdecken in Crivitz und Umgebung. Mammutbäume, besonders schöne Ecken oder einen tollen Ausblick – all das hat Anna erstmal selbst erkundet, fotografiert und auf kleinen Faltblättern zusammengetragen. Zum Verteilen an Touristen, aber auch die Crivitzer selbst entdecken so Neues in ihrer Region. Das soll nun noch mitnahmefreundlicher gestaltet werden, die entsprechenden Fächer dafür sind am Schaukasten schon vorbereitet.

 

Leerflächen sind Freiflächen

Auf die Frage, was ihr an Crivitz besonders gefällt, antwortet Anna mit einem Leuchten in den Augen: „Es gibt so viele schöne leere Flächen hier, da kann man sich wirklich noch frei entfalten. Generell ist hier noch so viel möglich, was vielleicht in größeren Städten schon lange nicht mehr so geht.“

Die Umsetzung ihrer Ideen klappt nicht immer reibungslos, bürokratische Hürden machen es der kreativen Freidenkerin oft schwer. Aber abschrecken lässt sie sich davon nicht. „Perspektiven und Ziele muss man sich selber schaffen und daran arbeiten“, das ist ihr Credo. Und dann bleibt sie dran, bis sie Gegner und Widersacher überzeugt hat. „Wenn man jemanden auf dem Dorf für sich und seine Idee gewonnen hat, dann bleiben sie dir sehr lange treu“, auch das sei ein spürbarer Unterschied im Vergleich zu größeren Städten.

Mit der Ostereiersuche im Crivitzer Arboretum hat Anna wohl wieder so ein Projekt ins Leben gerufen. War die Aktion im ersten Jahr noch eine kleine, feine Idee mit ein paar versteckten Eiern, so wurde daraus in diesem Jahr schon ein echtes Ereignis. Innerhalb von einer Stunde kamen mehr als 300 Besucher an diesen schönen, etwas abgelegenen Ort – und das auch noch im Schneegestöber! Aus dem Plan für eine Freizeitanlage am Crivitzer See könnte auch wieder so ein neues Projekt für Crivitz und Umgebung entstehen.

 

 

Wünsche für die Zukunft

„Jeder kann in einem gewissen Radius um sich herum eigene Projekte anstoßen“, ermutigt Anna. „Die müssen dann aber auch vernetzt werden, damit möglichst viele Menschen davon wissen und die vielfältigen Angebote nutzen können.“ Sie träumt von einer Übersicht, die auf einen Blick alles auflistet, was um einen herum so los ist: Welche Sportvereine gibt es? Wo kann ich zum Konzert gehen oder selber im Chor singen? Wann ist die Irish Night in Pinnow? Wo gibt es Malkurse oder ein Kinderfest oder Kinoabende? All das gibt es in der Region, es muss nur bekannter werden. Dafür brauche es vor allem Geld und Zeit, hierfür sieht sie die offiziellen Stellen in der Pflicht. Eine flächendeckende Vernetzung der unzähligen Initiativen und Veranstaltungen bringe schließlich mehr Bekanntheit und bessere Koordinationsmöglichkeiten für alle Engagierten in der Region; für Crivitz, Westmecklenburg und darüber hinaus.

 

Damit verabschiede ich mich von Anna und merke: Ich bin wirklich beeindruckt von so viel Tatendrang und Ideenreichtum. Es muss nicht die große Stadt sein, oder eben gerade nicht diese – hier in Westmecklenburg gibt es überall Menschen, die anpacken und etwas bewegen. So wie Anna aus Crivitz.


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