Individuelle Schuhe mit dem gewissen Etwas

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Hundert Prozent Handarbeit steckt in den Schuhkreationen von Kay Gundlack aus Parchim

 

Stars und Sternchen tragen die Schuhe von Kay Gundlack. In seiner Parchimer Manufaktur fertigt er sie komplett in Handarbeit – vom Entwurf bis zum finalen Schuh. Jedes Paar ist ein Unikat. Vor 15 Jahren hat Kay Gundlack sein Unternehmen direkt am Neuen Markt gegründet. Heute ist er damit international unterwegs, fertigt Schuhe für David Garret, Udo Walz, Thomas Gottschalk, Johannes Oerding und viele mehr. Sie sind von seinem Können überzeugt.

 

Schon als Fünfjähriger wollte Gundlack Schuhmacher werden. 1990 begann er in Parchim seine Lehre, arbeitete bis 2005 als Orthopädieschuhtechniker. Aber dann war da der Wunsch nach etwas Neuem. „Ich dachte mir, das kann noch nicht alles gewesen sein“, erzählt der heute 46-Jährige. Er kündigte, mietete sein Ladengeschäft und machte sich mit einer eigenen Schuhmanufaktur selbstständig. Viele haben nicht an die Geschäftsidee geglaubt, daran, dass so etwas in der mecklenburgischen Provinz funktionieren kann. In Berlin und Hamburg, ja. Aber in Parchim? Kay Gundlack blieb dabei. Er wollte exklusive Schuhe nach Maß anfertigen. Dafür reiste er zu wichtigen Events, knüpfte Kontakte und baute sich so nach und nach einen festen Kundenstamm auf. Das Zwischenmenschliche sei ihm dabei stets enorm wichtig, sagt er. So sind einige seiner Stammkunden mittlerweile zu Freunden geworden. Die ersten Boots, die er für David Garret angefertigt hat, stehen in einer Vitrine im Showroom seiner Manufaktur. Die Marke Kay Gundlack ist heute weltweit bekannt.

 

Um so weit zu kommen, war viel Arbeit notwendig – und Perfektionismus. Mehr als 60 Stunden arbeitet Kay Gundlack pro Woche. 85 Prozent der Arbeit an einem Schuh mache er selbst. Den Rest erledige sein Mitarbeiter. Etwa vier bis fünf Paar Schuhe pro Woche können so maximal entstehen. Kunden müssen etwa fünf bis sechs Monate Vorlaufzeit einplanen, bis ihr individueller Schuh fertig ist. Dafür gibt Kay Gundlack alles. So fahre er nach der Arbeit im Laden häufig abends noch nach Berlin oder Hamburg, um Maß zu nehmen oder Schuhe anzupassen. Auch nach Italien oder in die Schweiz fliegt er dafür mal eben zwischendurch. Das ist für ihn der Service, den er selbst auch erwarten würde. „Dienstleistung ist das A und O“, sagt er.

 

Nach einem ausgiebigen Kundengespräch macht er die Entwürfe, stimmt sie ab. Es folgt die detaillierte Vermessung der Füße, die Herstellung individueller Leisten, an die später das Leder angepasst wird. Parallel wird ein passgenaues Fußbett nach orthopädischen Gesichtspunkten aufgebaut. Beides zusammen ergibt einen Schuh, der seinen Preis hat. 1.600 Euro kann das mitunter kosten. Aufwändige Verzierungen oder Gravuren per Laser, exotische Materialien, raffinierte Details machen die Schuhe so einzigartig. Das bisher teuerste Paar – aus Elefantenleder und mit silbernen Applikationen -– verkaufte er für fast 4.000 Euro.

 

Trotzdem möchte Kay Gundlack Schuhe nicht nur für die Upper Class machen, sondern für alle, die gute Schuhe brauchen. Ein Jahr lang hat er dafür jetzt noch einmal die Schulbank gedrückt, sich zum Fachmann für Orthopädieschuhtechnik weitergebildet, möchte sein Unternehmen in den nächsten Wochen um diesen Bereich erweitern. Auch sein ältester Sohn mache darin gerade eine Ausbildung, verrät Kay Gundlack. Die Nachfrage sei auf jeden Fall da. So könnten vielleicht auch bald mehr Menschen aus der Region Schuhe von Kay Gundlack tragen. Obwohl seine Kunden bisher meist von woanders her kommen, ist er seiner Heimat Mecklenburg immer treu geblieben. Kay Gundlack ist bodenständig, weiß die gute Lage zwischen Hamburg und Berlin zu schätzen. Manchmal ist er sich aber nicht mehr sicher, ob Parchim die richtige Stadt für sein Unternehmen sei. Die Stadt habe kaum noch etwas zu bieten, habe viele Chancen verschlafen, muss er eingestehen. Als traditionelle Schuhmacher- und Tuchmacherstadt werde sie ihrem Erbe leider nicht gerecht, so Gundlack. Es gäbe keine Ambitionen, diesen Bereich zumindest touristisch zu nutzen und damit die Kleinstadt aufzuwerten. Das sei sehr schade. Dabei würde er daran gerne mitwirken.

Text und Fotos: Manuela Heberer